Terraforming – Wie man aus dem Mars eine zweite Erde macht

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Terraforming

 

Ter│ra│for│ming: nach terra (lat. Erde) und forming (engl. Bildung); Bedeutung: Erdumbildung

 

Findest du nicht auch wir haben hier schon lange nichts mehr über den Weltraum gehört?

Meine Meinung! Deswegen lass uns mal so richtig abdriften heute.

Und ich meine hier kein „Komm, lass uns ‘mal ein Fußballfeld-großes Weltraumlabor in den Orbit schießen“ – abdriften.

Sondern mehr so ein „Komm, wir suchen uns einen Planeten, verändern seine gesamte Atmosphäre und machen ihn uns vollkommen untertan. Wann? Hast du Dienstag schon was vor?“ – abdriften.

 

Terraforming – Warum?

Okay. Was braucht denn so ein Planet, um für uns Menschen von Interesse zu sein?

Für gewöhnlich sind die Planeten in den meisten Sci-Fi Geschichten ja echt gut in Schuss. Erquickende Atemluft, angenehme Temperaturen, erschwingliche Mietpreise.

Die Realität sieht allerdings leider meist anders aus.

Zwar hat man erst vor kurzem eine Art Erde 2.0 direkt neben unserem Nachbarstern Proxima Centauri entdeckt.

Betrachten wir aber ‘mal die Planeten in unserem eigenen Sonnensystem, sieht die Ausbeute schon nicht mehr so vielversprechend aus.

Schließlich besteht alleine schon die Hälfte unserer Planeten aus nichts als Gas. (Wäre mir persönlich ja nicht bodenständig genug.)

Die anderen vier sind, abgesehen von unserer schönen blauen Erde, leider auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Der Merkur ist zu heiß. Die Venus ist zu weiblich. Und der Mars… ach ja, man muss halt nehmen was man kriegt.

Genau das dachte sich wohl auch Elon Musk, als er sein Weltraumunternehmen SpaceX gründete und beschloss nicht weniger als eine Million Menschen auf den Mars zu befördern.

Warum auch nicht?

Um die Reise zum Mars und dessen Besiedlung soll es heute allerdings nicht gehen. Solltest du dich für Musks aberwitzige Vision dennoch interessieren, kannst du gerne ‘mal in diese Blogreihe reinschnuppern.

Erde 2.0 – Wie Elon Musk den Mars erobert (1/2)

Heute gehen wir zwei noch einen Schritt weiter und sinnieren darüber einen gesamten Planeten von Grund auf umzukrempeln.

Und zwar am Beispiel des Mars (denn wir nehmen halt, was wir kriegen).

Das Problem ist Folgendes:

Selbst wenn Musk es schaffen sollte sein irrsinniges Ziel zu erreichen, so leben in der Zukunft dann immer noch 1.000.000 Menschen auf einem riesen Haufen Dreck.

So sieht’s aus. Der Mars ist wahrlich nicht der angenehmste Ort zum Wohnen.

Es ist kälter als am Nordpol dort drüben. Atemluft ist Mangelware und das ungefilterte Sonnenlicht verbrennt deine Haut in Rekordzeit. Von den apokalyptischen Sandstürmen will ich gar nicht erst anfangen.

Sagen wir’s wie es ist. Niemand will an so einem menschenunfreundlichen Ort wohnen!

Und wenn wir auf lange Sicht auf diesem roten Brocken ernsthaft glücklich werden wollen, haben wir eigentlich nur eine Wahl. Wir müssen diese kalte, trockene Wüste zu unserem zu Hause machen.

Das Stichwort lautet Terraforming.

Den Mars zu terraformen bedeutet nichts anderes als ihn den Bedingungen der Erde anzupassen. Mit anderen Worten, erschaffen wir mit der Technologie, die uns zur Verfügung steht, aus der roten Asche eine zweite Erde!

Da soll nochmal jemand sagen Partnerlooks sind aus der Mode.

Wie funktioniert Terraforming?

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass alles, was folgt, noch hochspekulativ ist.

Schließlich müssen wir hier Prognosen für mehrere hundert Jahre aufstellen, was ja an sich schon an Hochmut und Wahnsinn grenzt.

Aber was soll’s! Lass und für einen Moment mal Vernunft und Bescheidenheit beiseite schieben und ein klein wenig weiter in unsere magische Zauberkugel lunzen.

Die Prognosen in diesem Text gründen auf einer Untersuchung der beiden Raumfahrtexperten Robert Zubrin und Christopher McKay .

Was folgt, sind vier Schritte, in denen wir mit unserer heutigen Technologie den Mars in eine zweite Erde umwandeln könnten.

Los geht’s!

1. Den Südpol erwärmen

Damit haben wir ja auf der Erde schon ganz gut Erfahrung gesammelt.

Viele wissen es gar nicht, aber ja der Mars ist besonders an seinen Polen mit immens dicken Eisschichten überzogen. Genug Eis um den gesamten Planeten (wenn erst einmal geschmolzen) mit einem 11 Meter tiefen Ozean zu bedecken.

Doch das ist nicht der Grund, warum es auf dem Mars so verflucht kalt ist.

Es liegt vor allem daran, dass der Mars eine sehr dünne Atmosphäre besitzt. Sie ist so dünn, dass sie fast kein Sonnenlicht auf dem Planeten einfangen kann, wodurch sich auch kein funktionierender Treibhauseffekt einstellt.

So funktioniert der natürliche Treibhauseffekt auf der Erde (klima.lu)

Das geschmolzene Eis am Südpol würde eine Kettenrektion in Gang setzen.

  • Das darin eingeschlossene CO2 und der neu entstandene Wasserdampf sind beide sehr wichtige Treibhausgase und verdichten nach ihrer Freisetzung die Atmosphäre.
  • Dadurch kann das eintretende Sonnenlicht besser auf dem Planeten gespeichert werden.
  • Es wird wärmer und somit schmilzt noch mehr Eis ganz von alleine.

So leicht wie es klingt ist es dann allerdings doch nicht. Denn so viel Eis auf einmal mussten wir Menschen bisher noch nie zum Schmelzen bringen.

Und die Ideen, die dies bewerkstelligen sollen, klingen eine verrückter als die andere.

Sie reichen von

  • in den Mars-Orbit stationierten Spiegeln…
  • über nukleare Bomben, die direkt an den Polen angebracht werden sollen…
  • bis hin zum Umlenken eines Asteroiden, der direkt in den Mars scheppern soll.

Junge, Junge das klingt nicht gerade nach zwei renommierten Raumfahrtexperten.

Aber Zubrin und McKay meinen es durchaus ernst.

2. Gas geben

In jeglicher Bedeutung des Ausdrucks.

Denn so eine Atmosphäre verdichtet sich natürlich nicht von heute auf morgen.

Deswegen sollten wir diesen Prozess künstlich beschleunigen und zwar mithilfe von sogenannten „Super Treibhausgasen“.

Hierfür könnte man auf dem Mars Fabriken errichten, welche planeteneigene Baustoffe in Treibhausgase umwandeln.

Entweder direkt in CO2 oder aber in Gase, welche eben noch viel besser darin sind, das Sonnenlicht auf dem Planeten einzufangen, wie z.B. sog. Halogenkohlenwasserstoffe.

3. Der grüne Daumen

Der Rest ist eigentlich simpel. Wir haben Wasser. Wir haben Sonne. Was fehlt sind eigentlich nur noch ein paar Samen.

Da es zu Beginn natürlich noch sehr kalt ist, starten wir am besten zunächst mit einigen sehr schwer klein zu kriegenden Mikroben, die sogar in unserer Antarktis überleben können.

Später züchten wir dann Schritt für Schritt etwas einfachere Pflanzen wie Moos.

Und eines guten Tages wird es endlich soweit sein und wir können tatsächlich grüne Wiesen, vitale Seen und weitläufige Wälder auf dem ehemals sehr trüben Planeten bestaunen.

Könnte es einmal so auf dem Mars aussehen? (pexels.com)

Die Temperaturen bleiben nach wie vor etwas kühler, aber erträglich. Jedes Jahr wird es etwas besser bis man schließlich sogar ohne Raumanzug draußen herumtoben kann.

Leider aber nicht auch ohne Maske, denn der schwierigste Teil der Transformation steht noch bevor.

4. Atemluft

Denn nur weil wir den roten Planeten ein wenig grün angepinselt haben, besitzt er noch längst keinen Sauerstoff.

Na klar produzieren die Pflanzen O2 und wir können diesen Prozess sogar noch beschleunigen in dem wir künstliche Photosynthese-Fabriken auf dem Mars errichten.

Wir müssen aber bedenken, dass wir hier über die Dimension eines gesamten Planeten sprechen und das kostet nun ‘mal Zeit. Vieeeel Zeit.

Atembare Luft auf dem Mars ist wohl die einzige Hürde, die wir mit unserer heutigen Technologie noch nicht innerhalb eines Jahrhunderts überwinden können.

So fern wir also auf diesem Gebiet keinen fantastischen technologischen Durchbruch erzielen, bleibt eine Atemmaske im Freien vorerst die einzige Alternative.

 

Terraforming – Der Mars ist halbleer

Bevor wir jetzt aber zu sehr den Bezug zur Astrophysik verlieren, hören wir doch einfach mal was unser aller Lieblingsastronom Harald Lesch zu dem Thema zu sagen hat:

 

Ziemliche Spaßbremse, oder?

Gemäß Lesch ist der Mars mit 1/10 Erdmasse einfach zu klein. Sollten wir es also schaffen ihm eine Atmosphäre zu verpassen, könnte er diese aufgrund seiner Inkontinenz (seine Worte, nicht meine) nicht lange halten.

Außerdem fehlt dem Mars ein Magnetfeld, um seine Atmosphäre vor eintreffenden Sonnenwinden zu schützen.

Und sollten wir es dennoch irgendwie bewerkstelligen, Technologien zu entwickeln, welche dem Mars helfen eine Atmosphäre zu schaffen, zu halten und zu schützen, haben wir auch schon das nächste Problem.

Denn dann würden die beiden Monde des Mars Phobos und Deimos an der neu entstandenen Atmosphäre reiben, sich verlangsamen, auf dem Mars einschlagen und die gesamte Oberfläche für 75.000 Jahre unbewohnbar machen.

Tolle Wurst…

 

Terraforming – Der Mars ist halbvoll

Wenn du allerdings glaubst, ich lasse mir davon meinen unbändigen Optimismus nehmen bist du schief gewickelt. Hier 3 Gründe warum:

    1.  Die technologische Singularität naht

Viele haben noch nicht verstanden, dass unsere Technologie nicht linear wächst, sonder exponentiell.

Ray Kurzweil erwartet etwa um 2045 einen Punkt, an dem unser Leben durch unsere Technologie unumkehrbar verändert wird. Dinge, die bis dahin noch als unvorstellbar galten, werden plötzlich umsetzbar.

Es wäre also töricht zu behaupten, dass Terraforming auf dem Mars, die Verschmelzung von Mensch und Maschine oder was auch immer absolut unmöglich sind und immer unmöglich sein werden. Wir haben keine Ahnung was die Zukunft bringt. Bewahre dir also lieber einen offenen Geist.

    2. Unterschätze niemals den menschlichen Entdeckerdrang!

Das tolle an uns Menschen ist unsere Beharrlichkeit. Wenn wir uns erst einmal etwas in den Kopf gesetzt haben, werden wir den Teufel tun und uns das wieder ausschlagen lassen.

Aus diesem Grund haben wir alle Ozeane überquert, jeden Berg bestiegen. Wir schweben im Weltall und waren verdammt nochmal auf dem Mond! Ich durfte sogar einmal Zeuge werden wie ein Mann einen ganzen Kaktus gegessen hat.

Der Mars ist einfach nur ein weitere Punkt auf unserer To Do Liste. Und wir werden schon langsam gierig auf das nächste Häckchen.

    3. Alternativen

Selbst wenn wir uns zu Beginn mit dem Terraforming etwas zu viel vornehmen sollten, gibt es immer noch Alternativen oder Zwischenschritte auf dem Weg zu einer zweiten Erde.

Wir müssen ja nicht direkt mit dem ganzen Planeten anfangen. Vielleicht erschaffen wir uns ja erst einmal eine Teilatmosphäre in einer Art Goldfischglas oder etwas ähnlichem.

Denk dran – Es geht nur darum, dass wir uns auf dem Mars wie zu Hause fühlen. Und die Kreativität der Menschheit dafür ist schlichtweg grenzenlos.

 

Keine Sorge. Nächste Woche werden wir wieder etwas bodenständiger und berichten über ein paar zeitnähere Ereignisse.

Lass mich wissen, falls du dir noch mehr aus der Rubrik „Nichts von dieser Welt“ wünschst.

Tüdelü!

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