Upgrade für dein Gehirn? – Elon Musks Neuralink (1/2)

  • twitter
  • Facebook
  • google+

Neuralinks Vision

 

Kannst du dich noch an diese Szene aus Matrix erinnern?

Was für eine abgedrehte Vorstellung das damals war! Du lädst dir schnell ein paar Daten in die Rübe und auf einmal kannst du Kung Fu, Hubschrauber fliegen oder weiß der Teufel was.

Das noch viel verrücktere aber ist, dass diese Vorstellung bald durchaus zur Realität werden könnte.

Viel mehr sogar. So wie es aussieht wirst du in ein bis zwei Jahrzehnten Fähigkeiten besitzen, die man heute nur als Superkräfte bezeichnen würde. Telepathie und Allwissenheit sind da nur der Anfang.

Und wer anderes könnte sich diesem absolut utopischen Projekt zuwenden, wenn nicht das Universalgenie Elon Musk.

Mit seiner neuen Firma Neuralink möchte der Tesla-Vater die Menschheit mit der künstlichen Intelligenz verschmelzen lassen. Dies soll verhindern, dass diese sich eines Tages gegen uns richten könnte.

Aber beginnen wir am Anfang…

 

Wie kommt es, dass der gute Elon, nachdem er die Energie-, Transport- und Raumfahrtindustrie völlig auf den Kopf gestellt hat, sich nun dem glibberigen Ding zwischen deinen Ohren widmen möchte?

Um das zu verstehen, solltest du erst einmal grundlegend wissen wie das Gehirn funktioniert.

Das Gehirn

Zunächst einmal kannst du dein Gehirn in grob 3 Bereiche unterteilen:

  1. Den Hirnstamm,
  2. das limbische System und
  3. den Neocortex
Ein Stamm und zwei „Schichten“ (Quelle: http://www.rauchentwoehnung-durch-hypnose.de)

Der Hirnstamm entstand mit den ersten Reptilien und erfüllt lediglich Überlebensfunktionen. Er sorgt unter anderem für einen regelmäßigen Herzschlag sowie dafür, dass du nachts im Schlaf nicht vergisst zu atmen.

Doch mit der evolutionären Entwicklung der Säugetiere kam eine neue Schicht hinzu – das limbische System.

Das limbische System verarbeitet deine Emotionen und dein Triebverhalten. Wenn du mal wieder an nichts weiteres als deinen Schwarm denken kannst, musst du ihm die Schuld dafür geben. Es kontrolliert deine Gefühlswelt sowie auch deinen Browserverlauf.

 

Okay, Überleben: Check. Gefühle und Libido: Check.

Als sich aus den Säugetieren aber die ersten Menschenaffen entwickelten, wurde die Sache richtig kompliziert.

Auf einmal gab es, neben der Frage wie man kaut ohne sich zu verschlucken oder wer die haarigste Maid auf dem Baum war, noch deutlich interessantere Themen, mit denen man sich beschäftigen konnte. Themen wie Feuer machen, Werkzeuge herstellen oder Jagdstrategien entwickeln.

Der Neocortex war der dritte und letzte Teil des Gehirns. Heute befähigt er dich dazu, komplexe Denkstrukturen zu nutzen und sorgt dafür, dass du diesen Text hier lesen und verstehen kannst.

 

Der Hirnstamm bildet somit den Kern deines Gehirns. Und du kannst dir das limbische System und den Neocortex einfach als zwei Schichten vorstellen, die diesen Kern ummanteln – jede davon ein evolutionäres Upgrade, welches die Hirnleistung um ein vielfaches verbesserte.

Was Neuralink nun vorhat, ist es, dir quasi eine dritte Schicht – eine digitale Schicht – über dein Gehirn zu legen, wodurch sein Potential in die Decke schießen soll. Und zwar indem es eine Schnittstelle zwischen dir und einem Computer herstellt.

Warum fragst du dich? Nun, dafür sollten wir uns erst einmal anschauen wozu dein Gehirn überhaupt in der Lage ist, bzw. wozu es nicht in der Lage ist.

Unbegrenztes Potenzial

Die Entwicklung des Neocortex hat nämlich alles verändert. Auf einmal konnten wir komplizierte Gedankengänge fassen, bewusste Entscheidungen treffen und Langzeitpläne erstellen. Kurz um: Wir konnten denken.

Daraufhin grölte man sich komische Laute zu, welche nach anfänglicher Verwirrung irgendwann auf Verständnis trafen. Vor etwa 50.000 Jahren entstanden daraus die ersten Sprachen.

So entwickelten sich Gemeinschaften, in denen man sich untereinander austauschte, später sogar ganze Städte.

Die Sprache befähigte uns dazu alles, was wir gelernt hatten, an unsere Nachkommen weiterzugeben.

Die Menschheit entwickelte sich weiter, indem sie ihr angereichertes Wissen später durch Schrift und Buchdruck für die gesamte Nachwelt konservierte.

Diese Prozesse erstreckten sich über tausende von Jahren. Ende des 20. Jahrhunderts aber kam es dann zu einem wahren Quantensprung:

Die Entwicklung von Computern und deren Vernetzung über das Internet führten zu einer kollektiven menschlichen Intelligenz.

Das gesamte Wissen des Planeten in deiner Hosentasche.

Alles, was ein Mensch je herausgefunden und mit anderen geteilt hat, kannst du irgendwo in den Tiefen des Internets wiederfinden und dir dieses Wissen aneignen.

Diese Entwicklung führte zu einer ganzen Lawine von neuen Errungenschaften. Wir machten uns dieses Wissen zunutze, um die menschliche Entwicklung immer weiter und vor allem immer schneller voranzutreiben.

 

Und in so ziemlich jedem Lebensbereich dürftest du heute davon profitieren:

Du willst nach Amerika? Buch‘ nen Flug! Hunger? Lieferando kümmert sich darum! Wie geht’s eigentlich Frau Mutter? Schreib ihr ‘mal eben bei Whatsapp!

Egal ob in Transportation, Vernetzung oder welchem Bereich auch immer. ALLES hat sich weiterentwickelt!

Alles, außer vielleicht einem: Kommunikation.

Technologischer Rückschritt

Ist dir ‘mal aufgefallen, dass sich nach all dem, was die Menschheit während ihrer gesamten Existenz erbracht hat, eines völlig gleich geblieben ist? Nämlich die Art und Weise wie wir uns unterhalten!

Heute können wir Atome spalten. Ins Weltall fliegen. Aber wenn du dich mit deinem besten Freund unterhältst, verwendet ihr eine 50.000 Jahre alte Technologie, die sich bis heute kein Stück weiterentwickelt hat.

Klar, wir können nun über große Distanzen miteinander kommunizieren. Aber die eigentliche Kommunikationsgeschwindigkeit ist genau so schnell wie in der Steinzeit.

„Tatsächlich hat unsere Kommunikation einen Rückschritt gemacht. Wir entwickelten uns vom gesprochenen Wort zum Zehn-Finger-Tippen. Jetzt benutzen wir fast nur noch zwei Daumen. Das ist wahnsinnig langsam.” (Elon Musk)

Unsere Kommunikationsgeschwindigkeit hat sich in den letzten Jahren also dramatisch zurückentwickelt. Wieso ist es denn so schwer unseren Output zu vergrößern?

 

Laut Elon hat es eine ganze Menge damit zu tun, dass wir trotz unserer Forschung, neben unserem gesamten Verständnis über die Welt, unser eigenes Gehirn (das Werkzeug mit dem wir tagtäglich denken und kommunizieren) bisher kaum verstanden haben.

Doch nach 10.000en von Jahren soll sich das nun endlich ändern!

 

Leicht wird das allerdings nicht. Alleine dein Neocortex besitzt 20 Milliarden Nervenzellen, welche wiederum über insgesamt 20 Billionen individueller Verbindungen miteinander verknüpft sind.

Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist es trotz unserer heutigen Technologie nicht leicht aus diesem Kabelsalat schlau zu werden.

Zwar gibt es einige Technologien, wie etwa MRT, EEG, oder ECoG, mit denen man das  Gehirn untersuchen kann. Allerdings schafft es keine davon eine große Menge von Nervenzellen zu erfassen und diese gleichzeitig noch in hoher Auflösung darzustellen.

Für einige müsste man dir sogar die Schädeldecke aufsägen.

Muss nicht wirklich sein, oder? (Quelle: Wikipedia)

Okay, jetzt aber Tacheles: Was hat Elon Musks Neuralink konkret vor?

Neuralink will eine Schnittstelle zwischen dem menschlichen Gehirn und einem Computer herstellen (und das möglichst ohne dir dabei den halben Kopf zu spalten).

Somit könnte dein Gehirn mit diesem Computer dann „sprechen“, wodurch selbiger uns dann ironischer Weise mehr über unser Gehirn beibringen würden.

Mit diesem neugewonnenen Verständnis könnte Neuralink beginnen Gehirnangreifende Krankheiten zu heilen.

Unser Ziel ist es, in den nächsten 4 Jahren etwas auf den Markt zu bringen, das bei der Behandlung gewisser Hirnschäden (z.B. durch Schlaganfälle oder Krebsgeschwüre) maßgeblich helfen wird.“ (Elon Musk)

Querschnittsgelähmte könnten damit eines Tages künstliche Gliedmaßen mit ihren Gedanken steuern, wie es heute schon in rudimentärer Form möglich ist.

Auch Krankheiten, die einen Gedächtnisverlust nach sich ziehen, wie Alzheimer, könnten dadurch geheilt werden. Da nämlich bei einem Gedächtnisverlust meistens die Erinnerungen gar nicht verloren gegangen sind, sondern lediglich die neuronalen Verbindungen unterbrochen wurden, könnten so Erinnerungen einfach wiederhergestellt werden.

 

Okay, schön und gut magst du dir jetzt vielleicht denken, aber was hat das mit den Superkräften zu tun, die ich dir zu Beginn versprochen habe?

Was Elon erzählt, ist natürlich erst der Anfang. Wie mit jedem seiner Unternehmen plant er natürlich auch mit Neuralink die Welt zu verändern. Allerdings ist das zu Beginn nicht immer ganz so leicht.

Elons Erfolgsrezept

Zunächst muss sich eine Firma erst einmal beweisen. Bei seinen anderen Firmen war es ganz genauso:

Tesla musste als erstes ein funktionierendes, erschwingliches und ergiebiges Elektroauto auf den Markt bringen, bevor es einen radikalen Umschwung auf Elektroautos in der gesamten Autoindustrie angestoßen hatte.

SpaceX ist gerade mit seinen wiederverwendbaren Raketen erfolgreich dabei die Kosten für die bemannte Raumfahrt zu senken, bevor es seinen eigentlichen Plan, eine Millionenstadt auf dem Mars zu errichten, verwirklichen kann.

 

Und genau dieses Erfolgsrezept wendet Elon natürlich auch wieder bei seiner neuen Firma Neuralink an.

Du brauchst schließlich keinen Flammenwerfer, um ein Feuer zu legen. Manchmal reicht ein einfacher Funke.

Ein funktionierendes Elektroauto. Eine Rakete, die wieder auf ihren Füßen landet. Mehr braucht es nicht, um eine gesamte Industrie in ihren Grundfesten zu erschüttern.

In Neuralinks Fall ist es nur diese eine Schnittstelle und das Feuer breitet sich wie von alleine weiter aus.

Tausenden von Menschen mit Hirnschäden könnte dadurch geholfen werden.

 

Wenn wir dann erst einmal an diesem Punkt sind, wird Neuralink diese Technologie natürlich weiterentwickeln.

Und auf einmal sind die Zielgruppe keine Patienten mehr, sondern normale Leute wie du und ich.

Auf einmal wird das Potential dieser Technologie zu einem Grat ausgeschöpft, der beim ersten Mal hören einfach nur fantastisch klingt.

 

Du willst wissen, was man mit dieser Technologie alles anstellen kann? Im nächsten Teil sollst du es erfahren.

Dieser Beitrag behandelte vor allem die sachlichen Hinter- und Beweggründe von Neuralinks Vision!

In Teil 2 sollst du das volle Ausmaß erfahren. Wir drehen ordentlich am Rad. Halt dich gut fest!

Leave a Reply

Your email address will not be published.
Required fields are marked *