Nanotechnologie

Nanotechnologie – Wenn Mensch und Maschine verschmelzen

  • twitter
  • Facebook
  • google+

Von Menschen und Göttern: Die Wunder der Nanotechnologie

 

Nanotechnologie ist die Wissenschaft des ganz ganz Kleinen. Sie beschreibt die Forschung an Objekten, die eine Größe zwischen 1 und 100 Nanometern (nm) haben.

Größeneinordnung – wie klein ist eigentlich Nano?

Wir bewegen uns hier also in Dimensionen von einem Milliardstel Meter (oder einem 10 Millionstel cm).

Ein Beispiel:
Ein Virus mit einer Größe von 100 nm ist im Verhältnis zu deiner Faust in etwa so klein wie deine Faust im Verhältnis zum Jupiter.

Herzlich Willkommen im Reich der Zellbestandteile wie DNA (10 nm breit) oder Glukosemolekülen (1 nm)!

 

Und dieses Reich bietet eine Unmenge ungeahnter Möglichkeiten. So beschreibt es auch Google Ikone Ray Kurzweil in seinem Buch Menschheit 2.0 (engl. The Singularity is near).

Was jetzt folgt, basiert hauptsächlich auf seinen Überlegungen.

Hier ist ein Überblick über diesen Artikel:

  • Der Nutzen von Nanotechnologie
  • Das „Gray Goo“ Szenario 
  • Macht uns Nanotechnologie zu Cyborgs
  • Unsterblichkeit
  • Cyborgs

Kurzweil erklärt, dass Nanotechnologie eine der Schlüsselfunktionen für unseren technologischen Durchbruch (die technologische Singularität wie er es nennt) sein wird.

Denn wenn wir erst einmal winzig kleine Nanomaschinen (sog. Nanobots) kontrollieren können, sind unsere Möglichkeiten in Bereichen Medizin bis Raumfahrt buchstäblich grenzenlos, da wir sogar die atomare Struktur von Objekten verändern können.

Vorab: Kurzweil hat zahlreiche Kritiker und seine Theorien sind mit Sicherheit auf der optimistischeren Seite angesiedelt. Allerdings werden seine Theorien in Fachkreisen von führenden Forschern ernsthaft diskutiert und sind durchaus ernst zu nehmen. Also…

 

Wie können wir uns Nanotechnologie zu Nutze machen?

Gute Frage. In einer älteren Vision über Nanotechnologie wird über die Herstellung von Trillionen kleiner Nanobots philosophiert, welche kollektiv zusammen arbeiten, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen – z.B. etwas zu bauen.

Eine solch immense Anzahl von mikroskopisch kleinen Maschinen selbst zu produzieren ist natürlich fernab von umsetzbar.

Der Trick ist, einen Nanobot zu erschaffen, welcher sich selbst reproduzieren kann.

Ein solcher Nanobot soll ersten Schätzungen nach nur etwa 100 Sekunden benötigen, um sich zu verdoppeln.

Nach sehr kurzer Zeit hätten wir also bereits zwei. Daraus bilden sich dann vier. Aus vier werden acht und noch innerhalb eines Tages hätten wir die benötigten Trillionen Nanobots vollständig und funktionsfähig. So funktioniert exponentielles Wachstum…

 

Das Gray Goo Szenario

In der Theorie klingt es schon mal vielversprechend und nicht sonderlich gefährlich…

Allerdings auch nur so lange bis man damit aus Versehen die vollkommene globale Vernichtung verursacht hat.

Denn so praktisch es auch ist innerhalb kürzester Zeit eine irrwitzige Anzahl winziger funktionsfähiger Roboter herzustellen, so gefährlich kann diese Technologie auch gleichermaßen für uns Menschen und alles Leben auf der Erde sein.

Was wäre zum Beispiel falls das System eine Panne hat oder die Technologie für terroristische Zwecke eingesetzt wird? Was wenn der Verdopplungsprozess nicht bei der gewünschten Anzahl an Nanobots aufhört und einfach immer weiter voranschreitet?

Nanobots reproduzieren sich selbst, indem sie den Kohlenstoff aus ihrer Umgebung konsumieren. Ungünstiger Weise basiert aber auch alles Leben auf dieser Welt auf Kohlenstoff.

Die Biomasse der Erde besteht aus circa 10⁴⁵ Kohlenstoff (C) Atomen. Ein Nanobot bestünde aus etwa 10⁵ C-Atomen. 10³⁹ Nanobots wären somit bereits genug, um alles Leben auf der Erde vollständig zu vernichten.

Das Gruselige ist: Es sind lediglich 130 Replikationen nötig, um dorthin zu gelangen.

Wenn ein Nanobot also tatsächlich nur 100 Sekunden zur Selbstverdopplung benötigt, so könnte die Apokalypse theoretisch bereits nach 3,5 Stunden vorbei sein.

Stell es dir einfach kurz bildlich vor:
Ein riesiges Meer aus „grauer glibberiger Masse“, das langsam über die Erde fegt und alles auf seinem Weg in seine Grundbestandteile zersetzt, das damit in Berührung kommt.

Das Gray Goo Szenario (io9.gizmodo.com)

Du siehst also, die Nanotechnologie besitzt ein paar sehr beängstigende Nebeneffekte (und viel Material für Science-Fiction Filme).

 

Was bringt uns Nanotechnologie denn überhaupt?

Was würde es rechtfertigen uns einer solchen Gefahr auszusetzen?

Die Antwort ist simpel: Unbegrenzte Macht.

Mit dem Meistern der Nanotechnologie erhalten wir die Möglichkeit die Grundbausteine der Welt zu kontrollieren.

 

Hast du früher auch mit LEGO gespielt? Ich persönlich habe mir damals als Kind ganze Städte aus LEGO-Steinen gebaut.

Mit der Nanotechnologie wäre es quasi genauso. Nur dass die Bausteine unserer Welt viel viel kleiner sind. Aber das Prinzip bleibt das Gleiche.

Wir könnten uns alles quasi aus dem Nichts zusammenbasteln. Essen, Kleidung, Werkzeuge, was auch immer dir einfällt.

Und in einer Welt, in der wir Nanotechnologie nutzen, um die atomare Struktur von Gegenständen zu manipulieren, werden Materialien nicht mehr nach ihrer Seltenheit oder der Schwierigkeit ihrer Herstellung gewertet. Sondern viel mehr nach der Komplexität ihrer molekularen Zusammensetzung.

In der Zukunft könnte somit ein Diamant weitaus billiger sein als ein Bleistiftanspitzer. Verrückt…

Viel mehr aber noch könnten wir sogar eine Vielzahl biologischer Strukturen wie Blutzellen oder Muskelgewebe künstlich herstellen.

2020 – so prophezeit Kurzweil – soll die Technologie bereits ihre ersten Früchte tragen.

 

Darüber hinaus könnte die Nanotechnologie nebenbei den Schlüssel für einen der größten Träume der Menschheit bereithalten – der Traum von Unsterblichkeit.

Zusammen mit dem Meistern einer weiteren Schlüsseltechnologie, nämlich der Kreation einer künstlichen Superintelligenz, könnte dieses Ziel sogar schon bald in greifbare Nähe rücken.

Die intelligenten Nanobots würden hierbei durch deine Blutbahn zirkulieren und beschädigte oder veraltete Zellen einfach durch junge, gesunde Zellen austauschen und somit deinen Alterungsprozess stoppen oder gar umkehren.

Das Konzept von Unsterblichkeit, insbesondere durch die Verknüpfung von Nanotechnologie und künstlicher Intelligenz, habe ich in diesem Artikel etwas genauer durchleuchtet:

Künstliche Superintelligenz (2/3) – Das Disney Szenario

 

„Die Nanotechnologie wird die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen“

Und ob das nicht schon reichen würde, geht Kurzweil in seinem Buch sogar noch einen Schritt weiter. (Genau genommen geht er einen ganzen Spaziergang weiter.)

Denn er beschreibt eine Zukunft, in der der menschliche Körper nach und nach durch künstliche Maschinenteile ersetzt wird.

Zu Beginn würde man Organe durch hochtechnisierte mechanische Weiterentwicklungen austauschen, welche niemals den Geist aufgeben.

Könnte so einmal eine Lunge aussehen?

 

Danach würden wir anfangen unseren Körper von Grund auf neu zu gestalten.

Zum Beispiel könnten wir unsere roten Blutzellen durch perfektionierte „rote Blutzellen-Nanobots“ ersetzen, welche sich eigenständig bewegen können. Dadurch hätte dein Herz seine Notwendigkeit vollständig verloren.

Es existiert bereits Ideen für ein Design für Nanobots, die dich – wenn erst einmal in dir verbaut – dazu befähigen würden, für 15 Minuten durch zu sprinten ohne auch nur ein einziges Mal Luft zu holen.

Das Cyberdoping der Zukunft!

 

Und abgesehen von religiösen oder moralischen Aspekten (falls du dir einen Beitrag darüber wünschst, lass es mich wissen) ist es gesundheitlich völlig unbedenklich.

Im Gegenteil sind Menschen mit Maschinenteilen sogar per Definition körperlich die deutlich gesünderen „Menschen“.

 

Und wenn man Kurzweil noch über das menschliche Gehirn schreiben liest, könnte man meinen wir stünden kurz davor zu Halbgöttern zu mutieren:

Nach seiner Analyse haben wir spätestens 2035 unsere Gehirne durch nicht-biologische Implantate dermaßen ergänzt, dass wir dazu in der Lage sein werden Billionen mal Billionen Mal schneller zu denken als heute.

Ebenfalls stünden unserem Gehirn unmittelbar alle Informationen der Cloud zur Verfügung.

Mit anderen Worten: Ab diesem Zeitpunkt wäre jeder Mensch mit einem solchen „Computerchip“ in seinem Gehirn ein wandelnder Rechner mit WLAN Zugang, der das gesamte Wissen des Internets in sich trägt.

Sollte diese Vision in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich Realität werden, dann würde das alles verändern. Dein Leben und mein Leben – in einem Ausmaß, dass wir uns jetzt noch nicht einmal vorstellen können.

Aber ich schweife ab. Zurück ins Nanoreich!

 

Nanotechnologie und die Grenzen der Unmöglichkeit

Wir Menschen haben es geschafft Sex seines Fortpflanzungs-Zweckes zu berauben und es einfach nur zum Spaß auszuüben…

Kurzweil glaubt, dass wir das Gleiche auch mit Essen hinbekommen werden.

Da die Nanobots ohnehin schon in deiner Blutbahn herumschwimmen, könnten sie doch gleich deine Zellen mit der perfekt auf dich abgestimmten Menge an Nährstoffen versorgen.

Alles Überschüssige oder auch Ungesunde kommt gar nicht erst an und wird direkt wieder ausgeschieden.

Wie eine Art Lebensmittelkondom erlauben dir die Nanomaschinen zu essen, was du willst und vor allem wie viel du willst.

Diäten werden unnötig. Übergewicht als Volkskrankheit würde geheilt werden!

 

Auch im Bereich Virtual Reality eröffnen sich komplett neue Möglichkeiten.

Die Nanobots könnten mit der virtuellen Welt interagieren, in dem sie deine echten Gefühle unterdrücken und neue „falsche“ Eindrücke hinzufügen, um dich noch tiefer in die Immersion hineinzuziehen.

 

Aber uns nur zu „Cyborgs“ zu machen, ist Kurzweil noch nicht genug…

Er glaubt daran, dass wir Menschen eines Tage einen Punkt erreichen werden, an dem wir zu 100% künstlich sein werden.

Zu diesem Zeitpunkt werden wir mit Maschinen und der künstlichen Intelligenzen vollkommen verschmolzen sein. Somit wären wir Herr unserer eigenen Sterblichkeit.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, schau doch einfach ‘mal hier vorbei.

Ewiges Leben in der Cloud? – Googles Weg zur Weltherrschaft (1/2)

 

Fazit

Ich denke ich muss dir nicht sagen, dass Kurzweils Thesen eifrig umstritten sind. Er hat sehr viele Kritiker.

Erschrocken musste ich allerdings feststellen, dass sich die meisten Kritiken vor allem auf seinen Optimismus, was das zeitliche Geschehen angeht, beziehen oder lediglich auf moralische und ethische Aspekte bezüglich seiner Vision.

Wenn man so etwas liest wie das, was ich dir eben beschrieben habe, dann müsste man doch meinen, dass viele Experten seine Theorien als irrsinnige Sci-Fi Träumerein abtun und sowas sagen wie „ganz nett, aber natürlich kann sowas niemals Wirklichkeit werden“, oder?

Tatsächlich aber werden seine Vorhersagen von Experten weitestgehend ernsthaft diskutiert – was mir wiederum das Gefühl gibt, dass das alles doch gar nicht so surreal zu sein scheint wie es auf den ersten Blick ausschaut.

Kurzweil und viele Wissenschaftler, die hinter ihm stehen, sind jedenfalls davon überzeugt, dass seine Vision eintreffen wird – und zwar schon sehr bald.

 

Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich diese Vorhersagen immens spannend finde. Was denkst du darüber?

Und nehmen wir einfach ‘mal an, dass sich Kurzweils Progosen tatsächlich eines Tagesbewahrheiten… würdest du in einer Welt, in der Menschen mit Maschinen vollends verschmolzen sind, überhaupt leben wollen?

Leave a Reply

Your email address will not be published.
Required fields are marked *